
40 Kohortenstudien bzw. Fallserien untersuchten den Einfluss einer Misteltherapie auf die Tumorerkrankung (s. Übersichtstabelle). 18 der Studien sind prospektiv, die übrigen entweder retrospektiv oder unklar.
In 39 dieser 40 Kohortenstudien wurden insgesamt 1311 Patienten mit Mistelextrakten behandelt, die durchschnittliche Studiengröße liegt bei 33,6 Patienten (3 – 270 Patienten). Eine Studie gab keine genaue Patientenanzahl an. Die Studien wurden in Universitätskliniken, großen Versorgungskrankenhäusern, onkologischen Fachkliniken und onkologischen Schwerpunktpraxen durchgeführt.

Untersucht wurde in diesen Kohortenstudien und Fallserien die Misteltherapie in der Behandlung von: Brustkrebs (n=4), CIN (n=1), Ovarialkarzinom (n=1), diverse genitale Karzinome (n=1), Prostatakarzinom (n=1), Nierenkarzinom (n=1), Blasenkarzinom (n=1), Magenkarzinom (n=1), Kolonkarzinom (n=2), Rektumkarzinom (n=1), primäres Leberzellkarzinom (n=4), Pankreaskarzinom (n=2), anale Kondylome (n=2), Lebermetastasen (n=2), Lungenkarzinom (n=1), Kopf-Hals-Tumoren (n=1), Hirntumoren (n=1), Melanom (n=1), diverse Karzinome (n=5), Lymphome (n=2), Plasmozytom (n=1), maligne Ergüssen (Pleuraerguss, n=3; Aszites, n=4; Perikarderguss n=1). Die Tumorerkrankung war meistens fortgeschritten, metastasiert und meist konventionell vorbehandelt (Operation, Chemotherapie, Strahlentherapie) bzw. inoperabel.

Untersucht wurden Tumorremissionen (n = 32), Lebensqualität (n = 19), Überlebenszeit (n = 2), Hämatopoese (n=1).

Eingesetzt wurde 15mal Iscador®, 15mal Helixor, 11mal Abnobaviscum®, 2mal Isorel®; eine Studie untersuchte verschiedene, nicht näher spezifizierte Mistelextrakte. Die Mistelextrakte wurden in den meisten Fällen subkutan gegeben, in 7 Studien wurden sie direkt in den Tumor injiziert (intratumoral), 3mal intrapleural, 4mal intraperitoneal, 2mal als intravenöse Infusion, 1mal intraarteriell, 1mal intraperikardial. Bei tumornaher Applikation wurde teilweise zusätzlich subkutan mit Mistelextrakten behandelt. Bei 10 Studien [4, 4b, 5, 8, 9, 14-16, 21, 25, 37] wurde zusätzlich eine konventionelle onkologische Therapie eingesetzt, entweder bei allen oder nur bei einigen der Patienten; in 8 dieser Studien wurden Tumorremissionen untersucht; das Ergebnis wurde meist gegenüber dem Einfluss der konventionellen Therapie abgegrenzt.

Die Ergebnisse der Studien sind in der Übersichtstabelle zusammengefasst.
Tumorremissionen: In 29 (von 32 diesbezüglich angelegten) Studien wurden partielle oder komplette Remissionen der Tumormanifestationen infolge der Mistelbehandlung beschrieben (s. Übersichtstabelle), eine Studie zeigte eine Hemmung des Tumorwachstums (Verdopplung der Reokklusionszeit bei Stenteinlage); häufig wurde dabei lokal oder hochdosiert mit Mistelextrakten behandelt. Dreimal wurde keine Remission beobachtet.
Lebensqualität: In 18 Studien wurde eine Verbesserung der Lebensqualität dokumentiert, in einer Studie eine Verschlechterung, was an der progredienten Erkrankung lag.
Überlebenszeit: In einer Studie wurde eine außergewöhnlich lange Überlebenszeit unter Misteltherapie hervorgehoben, die sich gegenüber den sonstigen Erfahrungen in dieser Fachklinik für Lungentumoren (Thoraxchirurgische Klinik Heidelberg-Rohrbach) deutlich unterschied. Eine weitere Studie zum inoperablen Pankreaskarzinom berechnete in einem Matched-Pair-Verfahren eine Verlängerung der Überlebenszeit von 3,2 Monaten (bislang jedoch nur als Abstract publiziert) [25].
Hämatopoese: In einer Studie wurde die Stimulation bzw. Verbesserung der Hämatopoese beobachtet, wobei Details nicht näher genannt wurden.

In den Fallserien und Kohortenstudien werden vielfach unter Misteltherapie Tumorremissionen beschrieben. Gelegentlich ist das Ausmaß der Tumorremissionen mit dem von Chemotherapien bei der entsprechenden Tumorentität vergleichbar, jedoch mit deutlich geringerer Toxizität. Ob es zu Remissionen kommt, ist abhängig von Dosierung und Applikationsweise; sie scheinen unter der üblichen, normal dosierten Misteltherapie eher Ausnahmen darzustellen. Die Fallserien und Kohortenstudien stammen großteils von praktizierenden Ärzten (aus Praxen und Krankenhäusern), die ihre Therapie evaluieren und beschreiben wollten; die Dokumentation ist teilweise gut, teilweise bietet sie nur unzureichende Informationen.
Hinsichtlich einer detaillierten Bewertung der Qualität der Fallserien und Kohortenstudien und weiterer Details siehe [12, 13]; einige der wichtigen Studien (Mabed 2004, Mahfouz 1999, Bar Sela 2004, Stumpf 1994) sind im Folgenden exemplarisch detailliert beschrieben.

Dr. med. Gunver S. Kienle
Lezte Aktualisierung:
Mai 2010
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